Kurzinterview mit Pflegelotsin Ulrike Grates
Wie sind Sie dazu gekommen, Pflegelotsin an der TU Dortmund zu werden?
Mein Vater wurde durch einen weiteren schweren Schlaganfall schwerst pflegebedürftig. Meine Mutter kümmerte sich an 7 Tagen/24Stunden liebevoll zu Hause um ihn.
Für all die Dinge drumherum blieb meiner Mutter weder die Zeit, noch hatte sie die Kraft und Energie, sich damit zu beschäftigen.
Da stand ich dann, auf 500 km Entfernung, mit all der Bürokratie, Pflegegraden, Leistungen, Pflegedienste und vielem mehr. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch nie mit dem Thema Pflege beschäftigt. Ich fing bei null an und es gab niemanden, der mich unterstützt und durch diesen Pflegedschungel begleitet hat.
Ein halbes Jahr später starb mein Vater. Meine Mutter wurde einige Zeit später selbst pflegebedürftig. Mein Wissen zum Thema Pflege wuchs.
Auch in meiner täglichen Arbeit im BEM nahm das Thema an Bedeutung zu. Als mich ein Kollege um Informationen zum Thema Pflege bat, war mir bewusst, dass es viel mehr Hilfe und Unterstützung geben sollte. Ich schaute nach Fortbildungsmöglichkeiten.
Jetzt bin ich bereits im sechsten Jahr als Pflegelotsin tätig. Auslernen kann ich in diesem Bereich nie, denn Pflege ist vielfältig, ein Balanceakt für pflegende Angehörige in Studium/Beruf und sehr oft ein Marathon. Der Austausch mit Kolleg*innen und Studierende ist für mich selbst sehr wertvoll.
Die nächsten Herausforderungen mit der neuen Pflegereform warten bereits auf uns.
Welche Angebote gibt es an der TU Dortmund für pflegende Angehörige?
Die TU Dortmund stärkt ihre Hochschulangehörigen u.a. mit
- Gleitzeit
- Homeoffice/mobiles Arbeiten
- Die Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt bestärkt die Kultur der Vielfalt an der TU Dortmund. Sie entwickelt, realisiert und begleitet Strategien, Instrumente und Maßnahmen zur Verbesserung von Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit
- Die qualifizierte Pflegelotsin
- Etabliert hat sich der Online-Pflegetreff. Hochschulangehörige tauschen sich in einem vertrauensvollen Rahmen über Herausforderungen des Pflegealltags aus und unterstützen sich mit gegenseitigem Wissen. Nach dem Motto: NICHT ALLEIN – GEMEINSAM STARK! Eltern, die ihre Kinder pflegen, haben im Rahmen einer Web-Ex-Gruppe eine weitere Austauschmöglichkeit über individuelle Angebote der Pflege gefunden. Für pflegende Studierende gibt es jeden zweiten Dienstag im Monat einen eigenen Online-Pflegetreff, da die Sorgen pflegender Studierende eine andere Dimension haben. Dieser Online-Pflegetreff für Studierende findet in Kooperation mit der FH Dortmund sowie der Pflegeselbsthilfe Dortmund statt.
Welchen Tipp würden Sie pflegenden Angehörigen geben?
Pflegende Angehörige werden oftmals nicht wahrgenommen. Mir ist es wichtig, dass Pflege kein Tabuthema mehr ist und pflegende Angehörige sich nicht stigmatisiert fühlen.
Unsere Gesellschaft muss viel sensibler im Umgang mit herausfordernden Themen umgehen, denn wir alle können sehr schnell in eine Pflegesituation rutschen.
Als pflegende Angehörige müssen wir das Thema Pflege noch mehr nach außen kommunizieren, auch wenn mir sehr bewusst ist, dass es für viele Menschen ein hochsensibles und sehr persönliches Thema ist.
Ganz wichtig aber ist, das pflegende Angehörige mehr auf sich achtgeben müssen. Sie dürfen und müssen viel öfter „STOPP“ sagen und auf sich und ihren Körper hören.
Ein Spruch der mich schon sehr lange begleitet:
Was immer der eigenen Seele guttut, tu es!
